„Die Jungs sind taktisch super ausgebildet“ – Lemgos neuer A-Jugend-Trainer freut sich auf seine neue Aufgabe

Maik Schulze ist seit Sommer der neue Chef-Trainer an der Seitenlinie unsere A-Jugend-Bundesliga-Mannschaft. In knapp zwei Wochen tritt die neue A-Jugend zu ihrem ersten Spiel an. Wir sprachen im Vorfeld der Saison 2020/2021 mit dem 28 Jahre alten B-Lizenzinhaber über seinen Werdegang, seinen Spielstil und die anstehenden Spiele in der Vorrunde der Bundesliga.

Herzlich willkommen in Lemgo, Maik. Du bist zwar schon ein Jahr hier und für den TV Lemgo und Handball Lemgo tätig, dies allerdings eher im Hintergrund. Nun bist du verantwortlich für die A-Jugend. Stell Dich doch bitte einfach selbst vor.

Maik Schulze:

Vielen Dank. Ich bin Maik Schulze, bin 28 Jahre alt und komme gebürtig aus Hameln. Dort habe ich auch meine Handballkarriere gestartet. Aktiv war ich dann noch bei GWD Minden, bevor ich leider mit 22 Jahren meine Karriere verletzungsbedingt beenden musste. Ich habe aber damals schon parallel zum Spielen verschiedene Trainerstationen bei Vereinen in meiner Heimat durchlaufen und die ersten Trainerscheine gemacht.

Bis dahin war ich hauptsächlich im weiblichen Bereich, beim MTV Rohrsen und VfL Hameln, tätig, bevor ich dann 2018 zum HSV Hamburg gegangen bin. Dort habe ich die Chance bekommen, die A-Jugend zu trainieren. Es war eine für mich sehr erfolgreiche Zeit. Aus persönlichen Gründen hat es mich dann aber wieder nach Hameln zurückgezogen.

Nun bin ich seit Sommer 2019 in Lemgo tätig. Im ersten Jahr habe ich ein wenig die Koordination außerhalb des Leistungsbereichs für Handball Lemgo übernommen, seit diesem Sommer bin ich nun verantwortlich für die A-Jugend. Natürlich bekomme ich weiterhin Unterstützung vom Jugendkoordinator Christian Plesser und Isaías Guardiola, die mich beim Training unterstützen.

Hauptberuflich arbeite ich beim TV Lemgo in der Geschäftsstelle und bin dualer Student der Sportwissenschaften.


Wie sind Deine ersten Eindrücke der neuen Mannschaft?

Maik Schulze:
Man merkt, dass in Lemgo die taktische Ausbildung einen extrem hohen Stellenwert hat. Die Jungs sind in diesem Bereich super ausgebildet und schaffen es fast immer, spielerisch gute Lösungen zu finden. Das ist echt beeindruckend, das muss man schon sagen. Sie beherrschen viele Auftakthandlungen und Spielzüge, das ist Wahnsinn. Das ist eine Kultur, an die ich mich erst gewöhnen musste. Ich gehe viel auf die individuellen Stärken ein und deswegen ergänzt sich das sehr, sehr gut.

Die Mannschaft besteht größtenteils aus dem jüngeren Jahrgang, sprich den Jungs, die letztes Jahr die Westfalenmeisterschaft in der B-Jugend gewonnen haben. Sie stellen den größten Teil der A-Jugend. Nichts desto trotz sind die Ziele und Ansprüche, die wir uns selbst gesetzt haben, hoch. Wir schätzen das aber auch realistisch ein und erwarten nichts Utopisches. Es sind viele talentierte Spieler dabei. Man merkt, dass in Lemgo nachhaltige Arbeit geleistet wird.


Was wünschst Du dir für einen Spielstil? Wie sollen Deine Jungs spielen?

Maik Schulze:
Wir haben uns als Ziel gesetzt, eine der schnellsten Mannschaften in der Bundesliga zu werden. Wir wollen Tempohandball spielen, unheimlich schnell nach vorne spielen und in der ersten und zweiten Welle zum Erfolg kommen. Da haben wir jetzt schon gute Ansätze gezeigt. Und im Positionsangriff wollen wir uns viel in der Kleingruppe erarbeiten. Der Schwerpunkt liegt momentan viel im taktischen Bereich, aber um jetzt den Sprung in den Männerbereich zu schaffen, wollen wir die Jungs noch stärker im individuellen Bereich ausbilden und schulen.

Eines der Prinzipien unserer Spielphilosophie lautet: Wir sind immer in der Lage, Eins-gegen Eins-Situationen zu gewinnen. Wir wollen das, wir suchen das, die Abwehr so vorzubereiten beziehungsweise sie so zu bespielen, dass wir irgendwann in die Eins-gegen Eins-Situation kommen und gewinnen. Das ist immer das Ziel. Egal ob Angriff oder Abwehr, das ist das Kerngerüst.


Wie schwer ist es, in dieser aktuellen, außergewöhnlichen Situation zu trainieren?

Maik Schulze:
Wir haben glücklicherweise schon einige Testspiele hinter uns. Das hat uns natürlich geholfen, unsere Spielideen auf die Platte zu bringen und Abläufe zu verbessern. Wir haben hauptsächlich gegen Herrenmannschaften aus der Verbands-, Landes- und Oberliga gespielt und konnten überall gut mithalten, das hat mich sehr gefreut. Die Sauerland Wölfe aus Menden aus der 3. Liga haben uns aber ganz klar die Grenzen aufgezeigt, das muss man sagen, logischerweise auch körperlich.

Mit der Vorbereitung bin ich insgesamt zufrieden. Wir sind natürlich zu Beginn oft auf dem Sportplatz Walkenfeld gewesen und haben im athletischen Bereich gearbeitet. Das war coronabedingt ja in der Anfangszeit auch nicht anders möglich und wir haben das schöne Wetter oft nutzen können. Zudem haben wir von der Stadt Lemgo viel Unterstützung erhalten, dafür ein großes Dankeschön, dass das alles funktioniert hat. Das ist sicherlich nicht selbstverständlich.


Nun stehen seit dem letzten Wochenende auch endlich eure drei ersten Gegner in der Pokalrunde fest. NSM-Nettelstedt, VfL Horneburg und TSG Altenhagen-Heepen heißen die Auftaktgegner. Hatte es Auswirkungen auf die Vorbereitung, weil lange nicht klar war, wer sich letztendlich qualifiziert?

Maik Schulze:
Ich habe mir auch vor der endgültigen Entscheidung, wer sich denn nun für die Bundesliga qualifiziert, einige Teams angeschaut und bin auch zu den Quali-Turnieren gefahren, sofern dort Zuschauer erlaubt waren. Das ist Fluch und Segen zugleich, wenn man direkt zu Beginn gegen drei Qualifikanten spielt. Es hat dann vielleicht eher den Anschein, dass diese Teams potentiell schwächer sind, da sie im letzten Jahr die direkte Quali verpasst haben oder sogar erst in die Bundesliga aufsteigen. Aber das lässt sich so pauschal auch nicht mehr sagen. Immerhin haben sie nun schon die Quali gespielt und waren im Wettkampf. Wir müssen gleich von Beginn an hellwach sein und konzentriert in jedes Spiel gehen. Wir schauen aber zuallererst auf uns und werden immer unser Bestes geben.

Vielen herzlichen Dank und einen erfolgreichen Saisonstart am 27. September!

Foto: Paul Cohen

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